Süßigkeiten als Sportlernahrung?

15. Mai 2020

Experteninterview Teil 1 mit Sportwissenschaftler Patrick Kuetemeier

Süßigkeiten und Sport – wie passt das zusammen? Du denkst, Süßigkeiten wirken sich ausschließlich schlecht auf deinen Körper aus? Außerdem bist du der Meinung, dass Süßigkeiten dich ausschließlich fett machen und dir nichts Gutes tun? Ganz im Gegenteil! Wir zeigen dir, welche Wirkung Süßigkeiten auf deinen Körper haben und wie du sie zum Positiven nutzen kannst.

Für dieses Thema haben wir einen regionalen Experten mit an Bord, der sich bestens mit Sport, Ernährung und einem gesunden Körper auskennt. Patrick Kuetemeier ist Diplom Sportwissenschaftler, A-Lizenz Fitnesstrainer und arbeitet als Personal Trainer im Rhein-Main Gebiet. Im Personal Training legt er sehr großen Wert darauf, durch ein ganzheitliches Trainingsprogramm individuelle Ziele zu erreichen. Zwischen Aschaffenburg, Mainz und Darmstadt betreut er motivierte Sportler oder solche, die es noch werden wollen. Mehr Infos unter www.k-personaltraining.de.

 

Unsere Frage: Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig – können Süßigkeiten dort überhaupt einen Platz finden?

Patricks Antwort:

Eine ausgewogene Ernährung bildet die Grundlage für körperliche Leistungsfähigkeit. Vereinfacht gesagt, „wenn der Motor keinen Sprit im Tank hat, läuft er nicht“. Daher ist es wichtig, dem Körper regelmäßig die nötigen Makronährstoffe (Kohlenhydrate, Proteine und Fette) zuzuführen, um daraus Energie zu gewinnen. Ergänzend dazu gibt es noch die sogenannten Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente), welche für die lebensnotwendigen Stoffwechselvorgänge im Körper nötig sind. Eine entsprechende Versorgung des Körpers mit den Makro- und Mikronährstoffen ist somit die Grundvoraussetzung für einen funktionierenden Körper.

Der Platz von Süßigkeiten in der Ernährung ist in Abhängigkeit zur Ausgewogenheit und Abwechslung zu sehen. Eine einseitige Ernährungsweise ist für einen funktionierenden und leistungsfähigen Körper nicht zielführend. Ich will darauf hinaus, dass es natürlich nicht sinnvoll ist NUR Süßigkeiten zu essen, aber dem Körper genauso wichtige Nährstoffe fehlen, wenn man sich NUR von grünem Salat ernährt.

 

Unsere Frage: Für dich als Personal Trainer steht u.a. die körperliche Leistungssteigerung deiner Klienten im Fokus – sind Süßigkeiten hierbei „erlaubt“?

Patricks Antwort:

Für den Sportler ist die ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung das A und O, um seine Leistung zu konservieren und bestenfalls im nächsten Schritt zu steigern. Süßigkeiten können bedingt durch einen oft hohen Zuckergehalt dabei helfen Energie frei zu setzen, um dem Sportler entsprechend vor einem Leistungsabfall im Training zu bewahren.

 

Unsere Frage: Wie wirkt Zucker allgemein auf den Körper?

Patricks Antwort:

Zucker ist ein Kohlenhydrat, wirkt einfach betrachtet erst einmal als Energielieferant im Körper. Zucker ist aber nicht gleich Zucker. Unterschieden werden muss hier nochmal zwischen Fructose (Fruchtzucker) und Glucose (Traubenzucker). Merken sollte man sich hierbei, dass Glucose die Energieform ist, die von nahezu jeder Zelle direkt im Körper zur Energiegewinnung genutzt werden kann, während Fructose immer erst in der Leber landet und dort verarbeitet werden muss. Ist die Leber durch zu hohen Zuckerkonsum überfordert können Erkrankungen die Folge sein, ebenso wie Fetteinlagerungen. Der klassische Haushaltszucker, wie wir ihn kennen, besteht zu je 50% aus Fructose und Glucose.

Zurück zur Frage, Zucker ist per se nicht negativ für uns, aber kann in Abhängigkeit zur regelmäßigen Konsummenge negative Folgen mit sich bringen, wie beispielsweise Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.

 

Unsere Frage: Kann ein Sportler Süßigkeiten zum Positiven für sich nutzen? Und wann sind Süßigkeiten schlecht für den Körper?

Patricks Antwort:

Die positiven Effekte von Süßigkeiten, auf den Sport bezogen, liegen in der relativ hohen Energiedichte auf wenig Volumen und die damit zügige Verwertbarkeit dieser Energie. Sport „verbrennt“ Energie im Körper. Zum einfacheren Verständnis kann man sich hier auch ein Feuer vorstellen. Will ich das Feuer schnell zum Brennen bringen, gebe ich etwas Leichtentzündliches hinzu. Auf unseren Körper bezogen ist der Vergleich, dass Süßigkeiten „schnell verbrennbar“ sind, also schnell Energie liefern können. Hier gilt aber die Dosis macht das Gift. Es ist das umgangssprachliche „Spiel mit dem Feuer“. Konsumiere ich zu viel Energie, die ich nicht verbrauche, wird diese abgespeichert was dann z.B. den ungeliebten Rettungsring am Bauch zur Folge hat.

Im Personal Training stimme ich den Süßigkeiten-Konsum im Sportzusammenhang immer mit der entsprechenden persönlichen Zielsetzung ab. Steht beispielsweise die Steigerung der Leistungsfähigkeit an Priorität 1 oder eher die Fettreduzierung an oberster Stelle?

 

Unsere Frage: Wenn ein Sportler nascht, dann besser Gummibächen oder Schokolade?

Patricks Antwort:

Schokolade oder Gummibärchen, Hauptsache Zucker?! Das ist natürlich wieder etwas differenzierter zu betrachten. Bevor ich hier ins Detail gehen möchte, darf man natürlich ganz allgemein nicht die psychische Komponente vergessen und die lautet „es soll schmecken“. Wenn ich nasche sollte ich das bewusst tun, dann können Schokolade oder Gummibärchen glücklich machen, aber natürlich nur in vernünftiger Menge ;-)

 

Nächstes Thema mit Patrick: Größer Muskeln durch Fruchtgummis?